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Wir schildern im Folgenden die
Ereignisse und Eindrücke rund um
die Auseinandersetzungen um die
Großdemonstration, die Kundgebungen
und das Anti-G8-Musikfestival
am Samstag, den 2. Juni aus
der Sicht eines Demo-Sanis.
Ort: Rostock, Stadthafen zwischen der Strandstrasse und dem Wasser auf einem Abschnitt der einen Baustellenuntergrund hat. Daneben steht ein kleiner mit Graffiti bemalter Flachbau von dem aus ein Kamerateam die Situation gefilmt haben muss. Ich befand mich auf dem Weg von der Innenstadt (Kaufhof) in Richtung Stadthafen. Auf dem Mittelstreifen parallel zur Strandstrasse in Höhe des Ampelübergangs sah ich wie eine gemischte Gruppe von Demonstranten unter ihnen einige Autonome aber auch Clowns und durch Erheben ihrer Arme Friedlichkeit signalisierende bunt gekleidete Demonstranten mit Friedensfahnen einem Polizeitrupp gegenüber stand. Diese beiden Gruppen trennte ein grüner Mittelstreifen. Links der Polizei und im Grünstreifen befanden sich mindesten 10 Fotografen die diese Szenerie dokumentierten. Ich hielt mich im Hintergrund auf Seiten der Fotografen. Als die Polizei in die Gruppe der Demonstranten stürmte flogen einige Steine durch die Luft und ich begab mich auf die andere Seite des Grünstreifens in Richtung des Hafens. Die Lage entspannte sich wenig später und die Polizei wechselte in ihre ursprüngliche Position zurück. Nun befand ich mich auf der gegenüberliegenden Seite des Grünstreifens auf der Hafenseite in einiger Entfernung zur Polizei unter anderem mit anderen Fotografen.
weiter...Ein Erlebnisbericht aus Heiligendamm 2007
Samstag, 2.Juni 2007: Demo in Rostock
Wir, eine Gruppe von fünf Leuten, reisten mit dem GEW-Bus ohne Zwischenfälle an. Der Demozug war geprägt von Menschen aus unterschiedlichen Ländern bzw. Nationalitäten und mit verschiedenen politischen Aussagen und Aktionsformen. Die Demo von der Hamburger Allee zum Rostocker Hafen verlief ruhig. Wir gingen ziemlich weit vorn. Die anfänglich trommelnde Gruppe von Pro Asyl war schnell verschwunden und der Musikwagen entfernte sich immer weiter von uns. Wir waren sozusagen schnellen Schrittes. Niemand war mit Megafon in unserer Nähe. Es gab ab und zu einen Sprechchor. Sonst war es eher ein Trauermarsch, so dass wir mit unseren Trillerpfeifen etwas Energie hineingebracht haben. Ein paar Anwohner trauten sich, zumindest aus entsprechender Entfernung das Geschehen zu beobachten. Anders, als gewohnt, wurde der Demozug nicht pozileilich[Anm.d.Red.] begleitet. Das war so ungewöhnlich, dass ich das schon fast vermisst habe.
Interview: Claudia Wangerin
Bilanz der Auseinandersetzungen auf der Anti-G-8-Demonstration in Rostock. Ein Gespräch mit Elke Steven
Sie waren als Beobachterin des Komitees für Grundrechte auf der Anti-G-8-Demonstration am vergangenen Samstag in Rostock. Wie ist Ihre Bilanz?
Es ist schwer, eine Gesamtbilanz zu ziehen. Auf der einen Seite war es wirklich ein bunter und breiter Protest mit erstaunlich vielen Teilnehmern. Auch war es erfreulich, daß unsere Befürchtungen, die Polizei würde die Anreise behindern und Eingangskontrollen vornehmen, sich nicht bewahrheitet haben.
weiter...So viel Hass habe ich noch nicht erlebt!
Einer von ihnen ist Franz Müller (49), verheiratet, zwei Kinder, Zugführer der Bereitschaftspolizei Dachau (Bayern).
Der erfahrene Polizist (zehn Castor-Einsätze) stand bei den G8-Krawallen eine Woche lang in erster Reihe.
In BILD zieht er seine Gipfel-Bilanz.
weiter...Viele Fragen und Widersprüche
Von Marius Heuser und Ulrich Rippert
7. Juni 2007
Die Gewalttätigkeiten auf der Großdemonstration gegen den G8-Gipfel am vergangenen Samstag in Rostock haben in Politik und Medien laute Rufe nach schärferen Polizeimaßnahmen ausgelöst. Viele Kommentatoren machen die Demonstranten und Organisatoren der Veranstaltung für die Ausschreitungen verantwortlich und rechtfertigen rückwirkend die vorangegangenen Einschränkungen des Demonstrationsrechts und der Versammlungsfreiheit.
So schreibt Reinhard Mohr auf Spiegel-Online, in seinen Augen seien eindeutig die Demonstranten für die Krawalle verantwortlich, weil sie sich nicht ausreichend von den Autonomen abgegrenzt hätten. Wer die gewählten Regierungschefs und G8-Teilnehmer "als Gangster und Verbrecher" bezeichne, müsse sich über Gewalt nicht wundern. Das schreibt ausgerechnet einer, der seine journalistische Karriere als Redakteur des Frankfurter Sponti-Hefts Pflasterstrand begann und die damaligen Straßenschlachten von Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit rechtfertigte.
Aber auch Michael Bauchmüller von der Süddeutschen Zeitung zieht eine direkte Linie von den brennenden Autos und maskierten Steinewerfern zu einer politischen Perspektive, die die bestehende Gesellschaftsordnung in Frage stellt. "All jene aber, die mit der G 8 das ganze System über den Haufen werfen wollen, [...] sollten in den nächsten Tagen zu Hause bleiben. Sie tragen Unfrieden in eine Welt, die gerade um eine bessere Zukunft ringt."
Die Straßenschlacht-Bilder und die Meldung von tausend Verletzten, darunter 430 Polizisten, gingen rund um die Welt und wurden eilfertig benutzt, jede grundlegende Kritik am Kapitalismus zu kriminalisieren. (Mittlerweile hat dpa allerdings gemeldet, dass von den 400 verwundeten und 30 schwer verwundeten Polizeibeamten lediglich zwei (!) ein Krankenhaus aufgesucht haben, und dies auch nur stationär. So schwer können die Verletzungen also nicht gewesen sein.) Kaum jemand in Politik und Medien war dagegen daran interessiert, genauer zu untersuchen, was in Rostock wirklich stattgefunden hat.
weiter...Unsere Polizisten wurden verheizt
Punkmusik dröhnt durch den Rostocker Stadthafen, Demonstranten tanzen auf Flachdächern. Steinplatten, Raketen und Brandsätze fliegen auf Polizisten. Autos brennen, Scheiben zerplatzen!
Die friedliche Anti-G8-Demo in Rostock wurde zur schlimmsten Straßenschlacht seit 20 Jahren! Auf einmal macht der G8-Gipfel Angst.
WOLLEN DIE CHAOTEN ETWA, DASS MENSCHEN STERBEN?
Bilanz der Gewalt-Orgie: beinahe 1000 Verletzte, darunter 433 Polizisten. Einige mit offenen Brüchen, einer mit Stichwunde!
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OSTSEE-ZEITUNG.DE Dienstag, 05. Juni 2007
Polizei: Demo-Einsatz war Erfolg
Nach den Krawallen vom Sonnabend in Rostock steht die Polizei in der Kritik. Doch die Einsatzleitung sieht keinen Anlass dafür.
Rostock (OZ) Die schweren Krawalle bei der Großdemo am Sonnabend in Rostock haben eine Debatte um die Einsatzstrategie der Polizei ausgelöst. Bei den Auseinandersetzungen mit über 2000 gewaltbereiten Autonomen aus dem In- und Ausland gab es fast 1000 Verletzte. Wie konnte das passieren? Hat die Polizei versagt? Die OZ sprach mit Axel Falkenberg, Sprecher der Polizei-Sondergruppe Kavala.
OZ: Von Beginn an war der gewalttätige schwarze Block geschlossen im Demonstrationszug dabei. Obwohl die Teilnehmer gegen das Vermummungsverbot verstießen, griff die Polizei nicht ein. Wie ist das zu erklären?
Falkenberg: Das war Teil des Konzepts der Deeskalation. Hätte die Polizei zugegriffen – in der Hansestadt waren 5000 Polizisten im Einsatz – , wäre es voraussichtlich schon am Hauptbahnhof zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen.
OZ: Als Steine auf die Scheiben der Ostseesparkasse flogen, kam die Polizei zu spät. Als das Gleiche später noch einmal an der zweiten Filiale passierte, hätte sie vorbereitet sein können.
Falkenberg: Für den Bürger ist es sicher schwer zu verstehen, wenn solche Sachbeschädigungen durch die Polizei geduldet werden. Unsere Strategie war aber, den Demonstrationszug möglichst geschlossen zum Stadthafen zu bringen. Damit sollte verhindert werden, dass der schwarze Block sich auflöst und in kleinen Gruppen marodierend durch die Innenstadt zieht. Das wäre das Schlimmste gewesen. Dann hätten wir in Rostock eher ähnliche Bilder gehabt wie bei den Ausschreitungen am Pfingstmontag in Hamburg.
OZ: Am Stadthafen marschierten immer wieder Hundertschaften auf und zogen sich dann wieder zurück. Funktionierte die Befehlsstruktur nicht, wie einzelne Polizeibeamte angedeutet haben?
Falkenberg: Auch die Polizeipräsenz am Stadthafen diente dazu, die Versammlung möglichst geschlossen zu halten. Auf der einen Seite hatten wir den friedlichen Protest, auf der anderen etwa 2000 gewaltbereite Autonome. Die waren im Stadthafen. Dort hatten wir sie im Griff. Sie haben es nicht geschafft, in die Innenstadt zu kommen.
OZ: Trotzdem bleibt aber unverständlich, dass die Polizei nicht eingriff, als vor den Augen der Beamten mit Spitzhacken Steine aus dem Pflaster gelöst wurden.
Falkenberg: Auch das war Teil der Strategie. Der normale Bürger wundert sich, aber er hat eben nie eine strategische Ausbildung bei der Polizei genossen.
weiter...(06.06.2007) Mittwoch Morgen: 1:30. Ankunft Bahnhof Rostock. Ein langer Weg
dahin: Bimmelbahn.
Drei erschöpft aussehende Organisatoren stehen vor uns, holen uns ab. Sie
sind vom Bündnis MOVE AGANIST G8, kaum betraut mit dem Umgang von derartig
großen Veranstaltungen, mehr mit Politik und Sozialarbeit. Meine Band ist
mit dem Nightliner auf dem Weg, sie werden morgens ankommen.
„Gestern nahm ich an der Demonstration in der Geisterstadt Rostock teil. Außer Teilnehmern und Polizisten waren nur vereinzelte Anwohner in Fenstern sichtbar, wenige säumten den Weg. Allein der Demonstrationszug, der vom Bahnhof aus zum Hafen ging, wurde von mehr als 30.000 Teilnehmern gebildet. So viel zum SPON-Artikel: Stell Dir vor, es ist Demo - und kaum einer geht hin. Am Bahnhof fanden übrigens keine der sonst bei jeder Kleinstdemo üblichen Kontrollen von Rucksäcken usw. statt. Später zeigte sich auch, dass dies mit zur Strategie gehörte. Entweder ist die Demo-Leitung naiv oder berechnend, denn die Aufstellung des Zuges funktionierte nach dem, wie ich es nennen würde, Aschenputtel-Prinzip: vorne die `Guten`, nach Zugehörigkeit geordnet, hinten die `Bösen?, so dass Die Grünen, attac, DiDF, Die Linke, FAU, DKP etc. hübsch voneinander zu unterscheiden waren, auch für die Polizisten, die den Zug von Brücken und Erhöhungen und aus den zwei Hubschraubern heraus beobachteten.Der Marsch verlief friedlich, obwohl die Polizei sich an markanten Stellen dekorativ stark und kampfbereit zeigte.
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